Du reitest entspannt die lange Seite entlang. Plötzlich springt dein Pferd zur Seite. Dein Puls schießt hoch. Dein Körper spannt sich an.Das ist nicht nur anstrengend, sondern kann auch gefährlich werden. Viele Reiter denken in solchen Momenten: „Mein Pferd ist einfach schreckhaft.“ Doch Schreckhaftigkeit ist selten nur eine Frage des Charakters. Oft stecken ganz andere Ursachen dahinter, die du gezielt beeinflussen kannst.

In diesem Beitrag erfährst du, warum die Schreckhaftigkeit deines Pferdes nicht nur „Typsache“ ist, welche Rolle die körperliche Verfassung dabei spielt und wie du dein Pferd dabei unterstützen kannst, gelassener zu werden.

Veranlagte und erworbene Schreckhaftigkeit

Natürlich gibt es Pferde, die von Natur aus gelassener sind und ruhiger auf neue Reize reagieren.
Das hängt unter anderem mit der Zucht zusammen. Rassen, bei denen gezielt Wert auf Ruhe und Souveränität gelegt wird, bringen diese Eigenschaften häufiger mit. Ein Beispiel dafür sind Freiberger.

Gleichzeitig werden Pferde, die im Sport eingesetzt werden, oft reaktiver gezüchtet. Dadurch kann auch ihre Neigung zur Schreckhaftigkeit steigen. So galten beispielsweise Haflinger oder Friesen früher häufig als deutlich gelassener als heute.

Trotzdem ist Schreckhaftigkeit nicht nur eine Frage der Gene oder der Persönlichkeit deines Pferdes. Ein entscheidender Faktor ist, wie gut dein Pferd sein Nervensystem regulieren kann.

Schreckhaftes Pferd springt zur Seite beim Reiten

Das Nervensystem des Pferdes – Parasympathikus und Sympathikus

Die Schreckhaftigkeit deines Pferdes hängt eng mit seinem Nervensystem zusammen. Vereinfacht gesagt gibt es zwei Zustände: Im „Regenerationsmodus“ (Parasympatikus) ist dein Pferd entspannt und freundlich mit anderen. Pferde, bei denen der Parasympathikus aktiv ist, haben einen entspannten Körper, atmen tief und voll und rechnen nicht mit Gefahr.

Im anderen ist es im Alarmmodus (“Sympathikus”). Es ist angespannt und bereit, auf das kleinste Geräusch zu reagieren.

Ein gesundes Pferd kann schnell zwischen diesen Zuständen wechseln.

Du kennst das vielleicht von der Weide: Dein Pferd frisst entspannt, erschrickt kurz, galoppiert los und kommt dann wieder zur Ruhe. Genau diese Fähigkeit ist entscheidend.

Hat ein Pferd jedoch körperliche Probleme, fällt ihm dieser Wechsel oft schwer. Der Körper bleibt angespannt und damit auch das Nervensystem in Fluchtbereitschaft..

Das bedeutet: Dein Pferd ist dauerhaft wachsamer und reagiert schneller auf Reize. Körper und Psyche beeinflussen sich dabei immer gegenseitig. Eine angespannte Körperhaltung sorgt dafür, dass dein Pferd auch mental eher im Alarmmodus bleibt.

Vielleicht kennst du das aus dem Training: Geht dein Pferd beispielsweise beim Reiten dauerhaft über dem Zügel, wird es in dieser Haltung auch fluchtbereiter sein. In der Ecke lauert dann viel eher ein Gespenst, als wenn es sich in einer schönen Dehnungshaltung bewegt. In dieser Haltung fällt es vielen Pferden deutlich leichter, loszulassen und sich sicher zu fühlen.

Genau hier entsteht ein entscheidender Unterschied im Verhalten.

Was Schreckhaftigkeit bei Pferden beeinflussen kann

Schreckhaftigkeit kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Oft wirken mehrere Faktoren zusammen.

Dazu gehören zum Beispiel:

Ist dein Pferd wirklich schreckhaft?

Viele Pferdebesitzer gehen davon aus, dass ihr Pferd „einfach so ist“ und sich daran nichts ändern lässt. Genau das stimmt so nicht. Schreckhaftigkeit hängt oft eng mit der körperlichen Verfassung deines Pferdes und der Art des Trainings zusammen.

In meinem Unterricht erlebe ich immer wieder, dass vermeintlich nervöse Pferde deutlich ruhiger werden, wenn sie mehr Zeit bekommen, Dinge zu verstehen und ausreichend Pausen haben. Natürlich gibt es Pferde, die schneller reagieren als andere. Manche sind von Natur aus gelassener, andere brauchen mehr Zeit, um sich an neue Situationen zu gewöhnen.

Innerhalb dieses Spektrums kannst du die Schreckhaftigkeit deines Pferdes jedoch in vielen Fällen positiv beeinflussen.

Dein Timing macht den Unterschied

Wenn du die Schreckhaftigkeit deines Pferdes verbessern möchtest, spielt dein Timing eine entscheidende Rolle. Pferde lernen immer in dem Moment, in dem wir mit etwas aufhören.

Ein typisches Beispiel ist das Einsprühen:
Weicht dein Pferd aus und du hörst genau in diesem Moment auf, lernt es: „Wenn ich mich bewege, hört es auf.“ Bleibst du dagegen ruhig dran und hörst erst auf, wenn dein Pferd stehen bleibt, lernt es: „Ruhe bringt Entspannung.“

Gerade hier passieren im Alltag oft kleine Fehler mit großer Wirkung. Wenn du dir bei deinem Timing unsicher bist, kann es sehr hilfreich sein, dir Unterstützung zu holen. Ein Trainer, der dich beobachtet und dir Feedback gibt, macht oft einen großen Unterschied.

Auch gut aufgebautes Gelassenheitstraining kann deinem Pferd helfen, besser mit neuen Situationen umzugehen und ruhiger zu reagieren.

Pferd wird an neue Reize gewöhnt – Gelassenheitstraining

Woran du erkennst, wie es deinem Pferd wirklich geht

  • dein Pferd geht unausgebunden an der Longe in Dehnungshaltung
  • Der Pferderücken ist gut bemuskelt und die Oberlinie wirkt lang
  • Die Bewegung ist frei (kein “gebundenes” Vortreten, Stocken, schlurfen oder stolpern)
  • Dein Pferd lässt sich gut im Rücken und der Gurtlage berühren
  • Nach einem Schreck findet dein Pferd schnell wieder zurück in die Entspannung

So kannst du Zusammenhänge verstehen und dein Pferd besser unterstützen

Körperhaltung, Trainingszustand und das Nervensystem deines Pferdes hängen eng zusammen. Wenn du diese Zusammenhänge verstehst, kannst du dein Pferd gezielt dabei unterstützen, besser mit Außenreizen umzugehen. Das macht das Training nicht nur für dich angenehmer, sondern vor allem für dein Pferd.

Maßnahmen wie Gelassenheitstraining können dabei sehr sinnvoll sein. Sie helfen deinem Pferd, neue Situationen kennenzulernen und sicherer zu werden. Damit diese wirklich greifen, braucht dein Pferd aber die körperliche und mentale Fähigkeit, wieder in einen entspannten Zustand zurückzufinden.

Ist es dauerhaft angespannt, lernt es zwar vielleicht, Reize auszuhalten, aber nicht, sich wirklich zu entspannen. Du kannst dir das vorstellen wie bei dir selbst: Wenn du ausgeruht bist und dich gut fühlst, gehst du Herausforderungen ganz anders an, als wenn du gestresst oder körperlich angespannt bist. Genau hier setzt die Arbeit an.

Wenn du dein Pferd dabei unterstützen möchtest, eine bessere Grundlage für euer Training zu entwickeln, kann das tensegrale Training an der Longe eine wertvolle Ergänzung sein.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Pferd schnell unter Spannung gerät oder sich schwer entspannen kann, begleite ich euch gern auf diesem Weg. Vereinbare einfach ein unverbindliches & kostenloses Kennenlerngespräch mit mir. Ich freue mich auf dich!

Fotos: Herzlichen Dank an Marie-Christin Zurbrüggen von Herzenshundfotografie!
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Häufige Fragen zum Thema schreckhaftes Pferd

Warum ist mein Pferd so schreckhaft?

Schreckhaftigkeit hat oft mehrere Ursachen: Neben der genetischen Veranlagung spielen die körperliche Verfassung, das Nervensystem, die Mineralstoffversorgung, das Equipment und die Art des Trainings eine entscheidende Rolle. Ist der Körper dauerhaft angespannt, bleibt auch das Nervensystem im Alarmmodus.

Kann man Schreckhaftigkeit bei Pferden abtrainieren?

Du kannst die Schreckhaftigkeit deines Pferdes in vielen Fällen positiv beeinflussen. Entscheidend ist, dass dein Pferd körperlich in der Lage ist, nach einem Schreck wieder in die Entspannung zu finden. Gelassenheitstraining, korrektes Timing und die Arbeit an der körperlichen Grundlage helfen dabei.

Welche Rolle spielt das Nervensystem bei einem schreckhaften Pferd?

Das Nervensystem wechselt zwischen Regenerationsmodus (Parasympathikus) und Alarmmodus (Sympathikus). Ein gesundes Pferd kann schnell zwischen beiden Zuständen wechseln. Ist es körperlich dauerhaft angespannt, bleibt es in Fluchtbereitschaft und reagiert empfindlicher auf Reize.

Wie erkenne ich, ob mein Pferd sich wirklich entspannen kann?

Zeichen für echte Entspannungsfähigkeit sind eine freie Bewegung ohne Stocken oder Stolpern, ein gut bemuskelter Rücken, Dehnungshaltung an der Longe, Berührbarkeit in der Gurtlage und die Fähigkeit, nach einem Schreck schnell wieder zur Ruhe zu kommen.